ZERO

„Wenn schwanger, dann ZERO!“

Mit dem Projekt “Zero” geben wir Schulklassen und der breiten Öffentlichkeit im Landkreis Sömmerda die Möglichkeit, sich über die Auswirkungen von Alkohol in der Schwangerschaft zu informieren. In einem erweiterten Programm des multiprofessionellen Teams des AK Sucht entdecken die Schulklassen in Gruppen interaktiv die Themen Entwicklung des Fötus im Mutterleib, Umwelteinflüsse für Schwangere, das Baby und dessen Entwicklung nach der Geburt, Suchtprävention, Sexualaufklärung und vieles mehr. An unserer Coktailbar “Zero” zeigen wir, dass Coktails auch ohne Alkohol schmecken und Spaß machen. Die Rezepte gibt es gratis dazu. Im Jahr 2026 unterstützte uns Kaufland mit einer großzügigen Spende an leckeren Säften und frischem Obst und Gemüse für die Zero-Woche.  

Wanderausstellung des FASD Netzwerkes Nordbayern e.V. als Primärprävention für Schülerinnen und Schüler ab der 7.Klasse im Landkreis Sömmerda

Die Ausstellung “Wenn schwanger, dann zero” ist für Schülerinnen und Schüler ab der 7.Klasse geeignet. In einem interaktiven Zelt können sich die Jugendlichen über das Heranwachsen des Fötus und die Gefahren von Alkohol (vor allem in der Schwangerschaft) informieren (insbesondere FASD).

Der Arbeitskreis Sucht im Landkreis Sömmerda, der im Jahr 2018 gegründet wurde, organisiert diese Wanderausstellung in Kooperation mit unserem Gesundheitspartner mkk - meine krankenkasse und dem FASD-Netzwerk Nordbayern e.V.

Im Arbeitskreis Sucht engagieren sich der ASB Kreisverband Sömmerda e.V. mit der Psychosozialen Beratungsstelle/ Suchtberatungsstelle, Suchtpräventionsfachstelle und dem Fachbereich Kinder- und Jugendhilfe, das Landratsamt Sömmerda mit dem Jugendamt und Gesundheitsamt, das Amtsgericht Sömmerda, die Stadtverwaltung Sömmerda mit dem Offenen Jugendtreff B27, der THEPRA Landesverband Thüringen e.V. mit der Schulsozialarbeit an allen Regelschulen, Gymnasien und der Berufsschule im Landkreis Sömmerda, die Sozialen Dienste der Justiz, das Jobcenter Sömmerda, die Polizeiinspektion Sömmerda, der DRK Kreisverband Sömmerda/ Artern e.V. mit der Schwangerschaftsberatung und viele mehr. Der ASB Kreisverband Sömmerda e.V. bildet für den AK Sucht die Geschäftsführung und übernimmt einen Teil der Öffentlichkeitsarbeit.

 

Rückblick 2026

PRESSEMITTEILUNG 2026

Pubertät hoch zwei

Fachtag über die Folgen von Alkohol in der Schwangerschaft

Bereits ein Glas Alkohol schadet nachweislich dem Kind in der Schwangerschaft. Darauf wies Frau Dr. Gisela Bolbecher beim Fachtag „Pubertät hoch zwei“ im Rahmen der Themenwoche „Wenn schwanger, dann zero“ des Arbeitskreises Sucht im Landkreis Sömmerda e. V. hin. Die Folgen für das Kind sind bis ins Erwachsenensein spürbar. Circa 2% der Kinder im Jugendalter haben FASD, zeigt Bolbecher auf. Hinzu kommt eine hohe Dunkelziffer, weil FASD oft nicht erkannt wird und optisch nicht sichtbar ist.

FASD (Fetale Alkoholspektrumstörungen) führt in der Pubertät häufig zu einer Verstärkung von Verhaltensauffälligkeiten, Lernschwierigkeiten und Entwicklungsverzögerungen. Jugendliche zeigen oft eine geringere Impulskontrolle, Schwierigkeiten im Sozialverhalten, eine hohe Risikobereitschaft und einen "Stillstand" in der Reifeentwicklung. Dies führt oft zu massiven familiären Belastungen und Krisen in der Schule.

 

Lobende Worte erhielt der Veranstalter des Fachtags, nämlich der Arbeitskreis Sucht im Landkreis Sömmerda, für sein Engagement von Landrat Christian Karl und Martina Weise Watzek. "Ich werde nicht müde, mich für diese Themen einzusetzen." stellte die Jugendamtsleiterin im Landkreis Sömmerda im Grußwort des Fachtages klar und benannte die beunruhigende Faktenlage. So lagim Jahr 2025 bei den insgesamt 167 Kinderschutzfällen im Landkreis Sömmerda in 2/3 der Fälle eine Suchterkrankung im Elternhaus vor. Auch Frau Dr. Gisela Bolbecher fand zu Beginn lobende Worte: "Es gibt wenige Stellen in Deutschland an denen die ZERO-Ausstellung so intensiv genutzt wird, wie im Landkreis Sömmerda. Der engagierte Einsatz hier ist keine Selbstverständlichkeit." 

 

Das multiprofessionelle Team des Arbeitskreises Sucht im Landkreis Sömmerda besteht aus der Suchtpräventionsfachstelle, der Beratungsstelle ThINKA Sömmerda und der Psychosozialen Beratungsstelle/ Suchtberatung des ASB Kreisverband Sömmerda e.V. sowie der Schwangerschaftsberatungsstelle des DRK Kreisverband Sömmerda/Artern e.V. , dem Gesundheitsamt und Jugendamt des Landkreises Sömmerda, der Schulsozialarbeit des Thepra Landesverband Thüringen e.V., dem Kinderschutzdienst Känguru von Pro Familia, der Stiftung Finneck, dem Offenen Jugendtreff B27 der Stadt Sömmerda und dem Gesundheitspartner mkk-meine krankenkasse. Weitere Vertreter des Arbeitskreis Sucht sind aus dem Amtsgericht Sömmerda und der Landespolizeiinspektion Erfurt und weiteren Institutionen, wie auch viele Ehrenamtliche.

 

Und warum ist dieses große Team und der unermüdliche Einsatz so dringend erforderlich? Deutschland rangiert beim Alkoholkonsum pro Kopf in der Spitzengruppe der Länder, denn Alkoholkonsum wird in unserer Gesellschaft als sozial akzeptiertes Verhalten toleriert oder sogar erwartet. Wie können wir unter diesen Voraussetzungen junge Frauen und werdende Mütter frühzeitig auf die Folgen von Alkohol in der Schwangerschaft aufmerksam machen? Das FASD-Netzwerk Nordbayern hat einen Aufkleber entwickelt, der gemeinsam mit dem Mutterpass an Schwangere ausgegeben werden könnte und idealerweise auch im Handel auf Lebensmitteln platziert, auf das Vorhandensein von Alkohol hinweist. Das Logo zeigt eine selbstbestimmte schwangere Frau, die ein Weinglas mit einer abwehrenden Handgeste ablehnt. Der Aufkleber zeigt sehr deutlich, worum es geht: in der Schwangerschaft sollte nie Alkohol getrunken werden. Der Aufkleber ist kostenfrei beim FASD-Netzwerk Nordbayern bestellbar und könnte zum Beispiel in Frauenarztpraxen an Schwangere ausgegeben werden. 

 

Das Thema geht alle etwas an, denn neben den gravierenden persönlichen Folgen für Kinder und Jugendliche liegen die gesamtgesellschaftlichen Kosten durch Suchterkrankungen bei Alkohol in Deutschland bei 57 Milliarden Euro pro Jahr. Diese Kosten entstehen unter anderem in den Bereichen Gesundheitsversorgung (Krankenhaus, Therapie), Produktivitätsverluste (Arbeitsausfälle), Sozialleistungen sowie bei der Strafverfolgung durch Polizei und Justiz. Wichtig ist dabei, dass ein erheblicher Teil dieser Kosten nicht etwa beim Bund anfällt, sondern vor allem in den Kommunen (insbesondere im Bereich der Sozial- und Jugendhilfe). Ein weiterer Grund, warum Aufklärung zu diesem Thema zwingend notwendig ist. Umso besser, dass die Wanderausstellung „Wenn schwanger, dann zero“ bald als mobile Version kostenfrei nutzbar sein wird, um Kommunen das Ausleihen zu erleichtern. Für den AK Sucht eine echte Erleichterung, denn bislang mussten auch diese Kosten mit großem Aufwand über Spenden und Fördermittel akquiriert werden. Wer sich für Prävention im Landkreis Sömmerda einsetzen möchte, kann unter dem Verwendungszweck „Arbeitskreis Sucht“ an die Geschäftsstelle beim ASB Kreisverband Sömmerda e.V. spenden. Die Mittel kommen ausschließlich der Präventionsarbeit für Kinder und Jugendliche im Landkreis Sömmerda zugute. 

Gruppenbild: Der Arbeitskreis Sucht zum Fachtag. Mit Unterstützung von Jugendamtsleiterin Martina Weise-Watzek und Landrat Christian Karl.

Außerdem: Ein Einblick in unsere Medienberichterstattung während der Zero-Woche.